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Forschung

Bildband „In deutschen Reihenhäusern“

Klischees, Stereotypen, Vorurteile: Reihenhäuser besitzen einige von ihnen – zumindest in unseren Gefilden. Der Bildband „In deutschen Reihenhäusern“ wirft einen Blick hinter die Fassaden und auf das bunt-alltägliche, urbane Reihenhausleben. 

Wie wohnt es sich in deutschen Reihenhäusern?

Mit seiner Kamera war Albrecht Fuchs zu Gast bei 50 Reihenhausfamilien. Die privaten Einblicke in Städten wie Bonn, Mainz, Kaiserlautern oder Frankfurt am Main ergänzt der Architekturfotograf Marc Räder. Er setzte fünf Wohnparks in ein für ihn typisches, „künstliches“ Licht. Ein Licht, das an die heile Modelleisenbahn-Welt im Hobbykeller erinnert. Zwei Stadtsoziologen - Prof. Dr. Hartmut Häußermann und Prof. Dr. Werner Sewing - betrachten das Reihenhausleben. Die wissenschaftlichen Texte ergänzt ein eher privates Essay der Kölner Journalistin Inken Herzig, die alle 50 Familien interviewte.

Der Bildband erschien am 12. September 2008 im Callwey-Verlag. Ihn begleiteten seitdem mehrere Fotoausstellungen in München, Köln, Hamburg und Peking. Bildband und Ausstellungen thematisieren mit Hilfe von Prof. Dr. Hartmut Häußermann und Prof. Dr. Werner Sewing vergangenes und zukünftiges Reihenhausleben. 

„In deutschen Reihenhäusern“ - Das Video zum Projekt und der Idee dahinter

Vorwort des Herausgebers Dr. Daniel Arnold

In den vergangenen Jahren haben wir mehr als 2.000 Reihenhäuser gebaut. „Für wen?“, werden wir immer wieder gefragt. „Für Menschen wie du und ich“, lautet stets unsere Antwort.

Dabei könnte es kaum bunter sein: In unseren Reihenhäusern wohnen junge und reife Paare, Familien mit einem, zwei und drei Kindern, traditionelle Lebensgemeinschaften und Patchworkfamilien, Alleinerziehende mit Hund und 3-Generationen-Familien mit Katze, Alleinstehende und Lebenskünstler. Sie sind Apotheker und Aerobic-Trainer, Busfahrer und Betriebswirt, Designer und Dachdecker, Heizungsmonteur und Hoteldirektor, Ingenieur und Industriemechaniker, Musiklehrer und Maler, Olympiasieger und Objektverwalter, Polizist und Programmierer, Rentner und Raumausstatter, Student und Schulleiter. Jeder Ausbildungsabschluss ist vertreten, ebenso eine große Spannweite des Einkommens und der Lebensstile, wie es unsere multikulturelle Gesellschaft ermöglicht. All dies sind soziodemografische Charakteristika. Eine befriedigende, anschauliche Antwort auf die selbstverständliche Frage, welche Menschen in einem deutschen Reihenhaus wohnen, bleibt aus.

Wir wollten uns daher konkrete Bilder von den Bewohnern unserer Reihenhäuser machen. Dafür haben wir den Porträtfotografen Albrecht Fuchs und den Architekturfotografen Marc Räder eingeladen, 50 Lebensgemeinschaften und einige unserer Wohnparks mit den Mitteln ihrer Kunst abzubilden. Ergänzend und bereichernd dazu erläutern die Texte der Journalistin Inken Herzig sowie der Stadtsoziologen Prof. Dr. Hartmut Häußermann und Prof. Dr. Werner Sewing Hintergründe, Zusammenhänge und Details über die Fotografien hinaus.

Das Ergebnis ist ein Schlaglicht auf eine beliebte Wohnform, die typisch ist für breite soziale Schichten in Deutschland 2008. Momentaufnahmen von Menschen, die so selbstbewusst sind, dass sie einem fremden Fotografen ihre privaten Räume freimütig öffnen und einer Journalistin Rede und Antwort stehen. Obwohl wir unsere Kunden bereits sehr gut kennen, haben uns die persönlichen Bilder genauso wie die Fülle der Lebensformen überrascht und begeistert.

Essays zu „In deutschen Reihenhäusern“

Hartmut Häußermann – Das Reihenhaus. Vom Reformmodell zum Townhouse

Das Wort Reihenhaus wird in Deutschland oft mit einem leichten Unterton der Abwertung benutzt – so, als ob es kein richtiges Haus sei, auch kein Eigenheim und auch keine richtige Etagenwohnung. Irgendwie dazwischen, irgendwie unentschieden. Vielleicht ist es die Tatsache, dass man nicht drum herum gehen kann, die als Freiheitsberaubung interpretiert wird? Oder ist es das Wort Reihe, das mangelnde Individualität signalisiert? Hat ein Reihenhaus den Geruch der zweiten Wahl?
 

Werner Sewing – Individuum in Serie: Das Reihenhaus als gebaute Paradoxie der Moderne

Nicht neue Großformen, sondern eine Bauweise mit mittlerer Verdichtung, mit Reihen- und Hofhäusern wird für die neuen Verdichtungsräume in der Zwischenstadt, an den ausfransenden Stadträumen zwischen den Kernstädten, der geeignete Weg einer moderaten Nachverdichtung sein. Das Reihenhaus wird gerade in diesen Zwischenräumen als Modul zur Verdichtung des Raumes am Stadtrand und als vielleicht auch zu terrassierendes Element zur Auflockerung hoch verdichteter Räume ein Typus bleiben.

Inken Herzig – Wenn das Leben aus der Reihe tanzt

Standen Reihenhäuser früher noch als Karikatur für die Seele des deutschen Biedermanns, die Sehnsucht nach Ordnung und Zaun, sind sie heute vielmehr Ausdruck multikultureller Gemeinsamkeiten. Das einst Trennende, unterschiedliche Pässe und Staatsangehörigkeiten, bauen die Bewohner mittlerweile genauso ab wie ihre Zäune. Immer öfter werden aus den kleinen Parzellen große, gemeinsame Grundstücke. Auch bei Familie F. aus Mainz-Kastel. Sie verzichteten mit ihren Nachbarn auf Gatter und Hecke und blicken heute auf eine große Wiese.

Prof. Dr. Alexa Färber – Reihenhaus = Reihenhauskultur?

In den Ethnowissenschaften ist die Wohnkulturforschung ein fester Bestandteil des Themenkanons. Sie stellt in Variationen die grundlegende Frage: Welche Beziehung besteht zwischen der Behausung von Menschen und ihrer Kultur, bzw. was sagt uns das Haus über die Menschen, die darin leben?

Prof. Dr. Christopf Schaden – „Deutsche. Reihen. Häuser.“

Seit dem 19. Jahrhundert ist Architektur Gegenstand der Fotografie - seit dem 20. Jahrhundert auch Wohnsiedlungen. Ausgerechnet uniforme Reihenhäuser rücken ins Visier. Zur Frage steht, ob das vermittelte Bild dazu beigetragen hat, eine spezifische Vorstellung über das gereihte Haus zu vermitteln.

„In deutschen Reihenhäusern" – TV-Beitrag

Ausstellungen zu „In deutschen Reihenhäusern“

Im Haus der Gegenwart in München startete die Ausstellung 2008. Die privaten Einblicke in 50 Reihenhäuser in Städten wie Bonn, Mainz, Kaiserlautern oder Frankfurt am Main standen im Mittelpunkt. Fünf Bilder von Wohnparks, in "künstliches" Licht gesetzt von Architekturfotograf Marc Räder, ergänzten die Familienporträts. 

Im Museum für Angewandte Kunst in Köln eröffnete die Ausstellung 2010. Beim Kongress "Bunte Stadt" in Köln war ein WDR-Fernsehstudio Ausstellungsort für die Bildstrecken.

Es handelte sich um eine Veranstaltung von der Stiftung "Lebendige Stadt" im September 2009. Dort drehte sich alles um die Themen Kinder, Medien und Kulturen. 

Im Museum für Völkerkunde in Hamburg hatten ab Februar 2011 Interessierte die Gelegenheit zum "Hausbesuch". Nach 17 Wochen Laufzeit waren 45.000 Besucher im Museum.

Internationale Ausstellung „Invisible Things“ in Peking

Wer braucht Nivea-Crème, wenn er Tiger-Balsam hat? Wer "Mensch, ärgere Dich nicht!", wenn er Mahjong hat? Das eine ist typisch deutsch, das andere typisch chinesisch. Und wie passt alles zusammen? Die Antwort gibt jetzt eine Ausstellung über Alltagsgegenstände, die so typisch sind, dass sie gleichsam unsichtbar sind: "INVISIBLE THINGS" im Today Art Museum in Peking. 

Warum jeweils rund 7.800 Kilometer in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt? Dr. Daniel Arnold, Initiator der Ausstellung, weiß es: "Weil erst die Faszination für das Fremde den Blick auf das Eigene schärft." In China beschäftigt sich Professor Wu Xuefu mit der Fokussierung auf Landestypisches: "Alltagsgegenstände springen nicht mehr ins Auge. Sie sind dabei aber mächtige Sinnbilder, auch wenn uns das oft gar nicht auffällt."

Es reifte eine gemeinsame Erkenntnis der Initiatoren. Daniel Arnold: "Die Globalisierung hat die Welt der Dinge bereits durchlässig gemacht. Alltagsgegenstände wandern zwischen Kulturen hin und her. Viele wählen wir unbewusst, einige bewusst." Wu Xuefu ergänzt: "Genau diese Gegenstände verändern unsere Vorstellung von Welt und uns selbst. Mit dieser Ausstellung gehen unsere beiden Länder einen großen Schritt auf einander zu."

„Dass diese gemeinsame Ausstellung nun im Today Art Museum gezeigt werden kann, ist mir persönlich eine große Freude. Indem wir uns gegenseitig amüsieren, wundern und Fragen stellen, kommen wir miteinander ins Gespräch.“

Dr. Daniel Arnold
aus dem Vorwort des Ausstellungskataloges

In der chinesischen Landeshauptstadt werden zahlreiche Gegenstände aus Deutschland präsentiert, unter anderem die Raufaser-Tapete, die BILD-Zeitung, die Birkenstock-Sandale, das Bobby-Car, das "Mensch, ärgere Dich nicht"-Spiel. Daniel Arnold: "All diese Gegenstände sind durch ihre Alltäglichkeit kulturelle Konstanten geworden.

Wir sind glücklich, mit dieser Gemeinschaftsausstellung die Kulturen einander näher zu bringen." Den chinesischen Teil trägt Wu Xuefu bei: unter anderem rote Unterhosen, geflochtene Fächer, Nachttöpfe und Rückenkratzer. "Unsichtbare Ikonen deutscher und chinesischer Alltagskultur treffen in dieser Ausstellung aufeinander. Die interkulturelle Versuchsanordnung macht erfahrbar, dass alle Dinge eine Heimat haben. Aber auch ein Eigenleben."

„In deutschen Reihenhäusern“ in den Medien

Das Buch „In deutschen Reihenhäusern“

Verlag: Callwey Verlag / Herausgeber: Dr. Daniel Arnold
Umfang: 244 Innenseiten, 205 Abbildungen
Format: 22,5 x 28,5 cm / Hardcover mit Schutzumschlag
Verkaufspreis: 39,90 Euro / ISBN: 978-3-7667-1790-0
Erscheinungstermin: September 2008